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Steve Sabellas künstlerisches Statement
Im Laufe der
Zeit war Jerusalem Zeuge vieler Besatzungen, doch in den
letzten 58 Jahren wurde der Zugang zur Sadt schwieriger denn
je. Mit dem Bau der Mauer um und durch Jerusalem wurde die
Stadt isoliert und zu einer Art
"verlorenen Stadt”.
Vor einigen
Jahren hob der bemerkenswerte Jerusalemer Künstler Kamal
Boullata in einem Artikel über meine künstlerischen
Erfahrungen hervor, dass er mich als einen “Künstler im Exil”
betrachte. Aber ich lebe doch in Jerusalem! Obwohl es genau
die Realität war, in der ich schon immer gelebt hatte, war
es mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen.
Heute ist mir klar: die ganze Stadt ist ein einziges Exil –
eine verbannte Stadt!
Jerusalem
hatte für die Plästinenser schon immer unterschiedliche
Bedeutungen. Werden wir danach gefragt, wird zweifelsfrei
jeder von uns eine unterschiedliche Beschreibung der Stadt
abgeben. Leute, welche die Stadt nicht besuchen können,
deren Besuch der Besatzung wegen limitert ist auf einen
touristischen Besuch oder welchen das Recht zurückzukehren
verweigert wird, leben in einer bestimmten Vorstellung und
Erinnerung der Stadt. Diese Bilder und Erinnerungen schweben
in den Köpfen und werden mit Emotionen aufgeladen, die
rausgelassen werden möchten. Wie auch immer, die Realität
Jerusalems ist die einer besetzten, umzingelten Stadt.
Von nun
an möchte ich diese Vorstellungen und Gedanken befreien und
sie in greifbare, visuelle Bilder verwandeln. Ich werde also
von den verschiedenen “mentalen Bildern”, die mir
beschrieben wurden, fotografische Bilder machen. Diese
Bildbeschreibungen von Palästinensern , die über den ganzen
Globus verstreut leben, werden uns die Möglichkeit geben,
Jerusalem auf eine neue Art zu erleben. Die Fantasie spielt
hier die Rolle einer unkontrollierbaren Dimension. Sie ist
das Transportmittel, mit dem, die im Exil lebenden
Palästinenser, in jede Strassenecke Jerusalems gelangen
werden. Auf diese Weise sollen sie die Stadt befreien. Es
wird ein Wechselspiel der Vorstellungen sein; ein
Wechselspiel zwischen meiner Imagination als verbannter
Künstler innerhalb und der Vorstellungskraft der verbannten
Menschen ausserhalb der Stadt.
Ich hoffe,
diese Bemühung wird Ideen und Gefühle stimulieren. Ich
beabsichtige die Kollektion an Bildern so zusammenzustellen,
dass sie in einem Buch mit dem Titel “Jerusalem im Exil –
greifbare Erinnerungen” präsentiert werden kann. Der Dichter
Najwan Darwish, mit dem ich oft den Fragen der Kunst und
der Identität unseres gemeinsamen Exils Jerusalem nachgehe,
wird das Buch edieren. Wir hoffen, das Buch wird sich unter
anderem auch durch wertvolle Texte ausgewählter
palästinensischer Künstler, Denker und Intelektueller
auszeichnen. Diese Texte sollen sich ausschliesslich
Jerusalem und den Themen Dazugehörigkeit und Verbundenheit
widmen. Die Erfahrung der Überschreitung: vom Wort zum Bild,
von der Imagination zur Realität, wird eventuell eine Kunst
des Zelebrierens, der Geburt und Wiedergeburt kreieren; eine
Kunst, die lebt und Grenzen überschreitet.
Dazu können Sie ein Essay von
Steve Sabella lesen, das
sich mit der Funktion von mentalen Bildern, der Erinnerung
und der Rolle der Fotografie dazu befasst.
Eine neue Wahrnehmung Jerusalems
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