jerusalem in exile tangible memories

 

     

 

Wardeh Tamim

 

Als Kind ist es schwer Zusammenhänge zu entwickeln und wenn man es  tat, dann waren  sie in der Regel sehr Realitätsverzerrt.

 

Meine Kindheit fand  in einer zwei  Zimmerwohnung in einem Berliner Kiezviertel statt, in der wir bis zur unsrer Einbürgerung zu siebt wohnten. Obwohl alle meine Geschwister in Berlin geboren waren, stand es für meine Eltern immer fest, zurückzukehren. Auch ich bin in diesem Bewusstsein aufgewachsen, an dem Ort zurückzukehren, an dem  selbst  meine Eltern noch nie gewesen waren. Ich sage bewusst zurückkehren, da dieser Ort für mich immer gegenwärtig und präsent  war, als seien wir von DA nach Berlin gezogen, als hätten wir ihn nie verlassen.       Dieser Ort  war für mich 90x60 cm  groß und hing in unsrem Wohnzimmer und portraitierte die Stadtmauer von Jerusalem und die al-Aqsa Moschee.  Die Platzierung dieses Bildes über unsrem Fernseher, war mit großer Sicherheit ein sehr strategischer Platz, da der Fernseher eigentlich das Zentrum unsrer sehr kleinen Wohnung und unsres Familienlebens darstellte und wir fast gezwungen waren immer herauf zu schauen und es in Kenntnis zu nehmen. Es hing da, als glorreicher Ort, ein Ziel, nach  dem wir streben  müssen und das uns  immer daran erinnern sollte, wie dieser Ort an dem wir eines Tages zurückkehren würden eigentlich aussieht. Es hing da, ohne älter geschweige denn jünger zu werden, ohne zu mir zu sprechen. Der Ort  der nicht nur räumlich, sondern auch mental ein Zentrum unsres Familienlebens darstellte, schwieg.

 

Was für mich unverständlich gewesen war, deshalb fing ich an dieses Bild in meiner Gedankenwelt zu erwecken. Ich verband meine Phantasie, meine Träume und Wünsche in diesem Bild.  Wenn ich davon träumte, eines Tages Ärztin zu werden um  den palästinensischen Kindern zu helfen, so geschah es innerhalb  dieser 90x60 cm.

Ich träumte mich dorthin und bedeckte Jerusalem mal in  Schnee, in Regen und Gras. Ich war sogar fest der Überzeugung dass es in Jerusalem ein  Meer gäbe, in dem ich tauchen  und nach Muscheln suchen könnte.

 

Wenn mich jemand fragte woher ich ursprünglich stamme, so antwortete ich, ohne mit der Wimper zu zucken, Palästina und assoziierte zugleich das Bild welches über unsrem Fernseher hing. Somit  portraitierte dieses Bild  in meiner kindlichen  Gedankenwelt nicht nur Jerusalem, als Stadt, sondern war (unbewusst) mein Symbol für Palästina,  meiner Heimat.

 

Obwohl ich  noch nie da  gewesen bin, verbinde ich so vieles mit Jerusalem. Aber vor allem lässt mir der Gedanke an Jerusalem meine unvergessliche Kindheit gegenwärtig werden.

 

 

 

30/10/2007